Die Krankenschwestern sahen ihr nach und tuschelten leise miteinander.
Soweit Morgan es sagen konnte, waren die meisten Besucher längst gegangen, nur
sie saß noch immer hier rum. Brain lag unverändert in seinem Bett.
Was habe ich auch erwartet?
Dass er nach ein paar Stunden wieder aussieht, wie ein Mensch
und strahlend im Bett sitzend eine
Talkshow sieht? Wohl kaum.
Er muss endlich aufwachen.
Nach all den vielen Folgen Grey´s
Anatomy, Emergency Room und Private
Practice wusste sie, wie das Drama weitergehen würde, wenn er nicht bald
aufwachte.
Jede Minute kroch elendig dahin und zu ihrer Schande begann sie sich nach
einer Stunde zu langweilen. Das Zimmer war so trist, dass es nichts gab, worauf sie ihre Aufmerksamkeit sonst lenken
konnte und den Fernseher einzuschalten kam ihr doch sehr unpassend vor.
In seinem Gesicht schillerten alle Farben, die Haut annehmen konnte. Sie
betrachtete die Wunden immer und immer wieder, bis sie nicht einmal mehr hinsehen musste, um alle aufzuzählen. Etwas verkrampft betrachtete sie die Hand die sie hielt und
kam nicht umhin,
dabei
auch ihre eigene zu sehen.
Ihr Wohnzimmer war noch immer unverändert und sie hatte es bisher
vermieden, wieder einen Fuß in diesen Raum zu setzen, aus Angst, sie würde
noch einmal durchdrehen.
Irgendwann kommt einfach alles
hoch, das bedeutet noch nicht, dass ich irre bin…
Morgan wippte mit dem Fuß. Er würde einen Kaffee brauchen, wenn er
aufwachte.
Vorsichtig erhob sie sich.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit,
dass er genau in dem Moment aufwacht, in dem ich aus der Tür bin? Nicht so
hoch, oder?
Sie rang einen Moment mit sich, bis sie ihm doch den Rücken zu drehte. Die
Cafeteria war bereits geschlossen, so dass sie sich mit Automatenkaffee begnügen
musste. Immer noch besser als gar keiner, auch wenn dieser eher die Farbe von
Tee hatte. Die Krankenschwestern warfen ihr neugierige Blicke zu.
Bewaffnet mit zwei viel zu heißen Bechern, die sie den gesamten Flur über
balanciert hatte,
kam sie wieder in das Zimmer. Er schien sich nicht bewegt zu haben, nicht
einmal einen Millimeter. Seufzend stellte sie die Becher auf dem kleinen
Nachttisch ab und setzte sich wieder hin.
Wäre ja auch zu schön gewesen.
Wäre ja auch zu schön gewesen.
Inzwischen war es drei Uhr Morgens. Die Nachtschwestern hatten sie
schon drei Mal darum gebeten, zu gehen.
Die müssen ihr schlechtes Gewissen ja auch nicht beruhigen.
Sie rieb ihre Hände aneinander. Dennoch beschloss sie zu gehen, bevor sie noch rausgeworfen wurde und nachdem sie auch den zweiten Kaffee geleert hatte, tat sie dies auch.
Die müssen ihr schlechtes Gewissen ja auch nicht beruhigen.
Sie rieb ihre Hände aneinander. Dennoch beschloss sie zu gehen, bevor sie noch rausgeworfen wurde und nachdem sie auch den zweiten Kaffee geleert hatte, tat sie dies auch.
Die Nacht war eiskalt und sternenklar, die Busse fuhren mit einer Verspätung,
so dass sie kurzerhand beschloss, zu Fuß
zu gehen, dann konnte sie immerhin in Ruhe rauchen.
Sie zündete sich den Glimmstängel an und atmete tief ein, durch die kalte
Luft musste sie leicht husten. Obwohl sie erst um 5 Uhr zu Hause war, ging sie nur schnell duschen und zog
sich etwas Dickeres an, bevor sie sich wieder auf den Weg zu Brain machte.
Was, wenn er aufwacht und ich
bin nicht da?
Sie fühlte sich langsam wie eine Mutter, die darauf wartete, dass ihr
Neugeborenes endlich aus dem Brutkasten genommen wird.
Brain hatte schon so vieles für sie getan und
sie konnte nichts Besseres tun, als ihn abzuweisen. Wenn sie ganz ehrlich zu
sich war, musste sie es gewusst haben.
Wie hätte ich ihn die ganzen
Jahre um mich haben können, ohne es auch nur zu ahnen?
Stundenlang hatte sie
an seiner Schulter geweint. In der Zeit der Trennung war sie oft bei Brain
gewesen, durfte seinen
Duft nach Büchern und Kaffee einatmen und sich fest an ihn drücken. Oft hatte sie
sich gefragt was passieren würde,
wenn eine Frau in sein Leben trat und
genauso oft war die
Angst in ihrem Nacken da, dass es irgendwann wirklich soweit sein könnte.
Brain würde sie nie betrügen, würgen oder verletzten, in welcher Form
auch immer.
Er wäre der perfekte Vater ihrer imaginären, zukünftigen Kinder
geworden und hätte sie im weißen Brautkleid über die Türschwelle getragen. Ihre
Mutter jedenfalls wäre begeistert gewesen.
Aber ich konnte es einfach
nicht, ich habe es nicht geschafft.
Ihr Stammplatz im Krankenhaus schien sogar noch warm zu sein. Auch dieses
Mal hatte sie die Becher voller dampfendem, ungenießbarem Kaffee dabei. Der
Duft erfüllte den ganzen Raum, doch auch nach dem zweiten Becher fielen ihr
immer wieder die Augen zu. Inzwischen wusste sie nicht mehr, wann sie das
letzte Mal geschlafen hatte, ohne dass sie das Einnicken im Bus mitzählte.
Ein Stöhnen erklang.
Zunächst war sie sich nicht sicher, ob sie es nicht selbst gewesen war.
Verwirrt schaute sie auf. Brain regte sich leicht, er blinzelte und gab
noch einen Laut von sich, der irgendwo zwischen Verwirrung und Schmerz lag.
Morgan reagierte so schnell, dass sie selbst
überrascht war.
Sie rief nach den Schwestern, die sofort zu zweit kamen
und einige Tests machten, bevor sie sich entschieden,
den Arzt zu rufen. Sobald sie wieder allein waren, stürzte sie zu ihm und
beugte sich mit tränenverschleierten Augen über ihn.
„Gott sei Dank, du bist wach…“
Es schien einen Moment zu dauern, bis er sie erkannte, man konnte
förmlich sehen wie schwer sein Gehirn es hatte,
die Informationen um ihn herum zu verarbeiten.
„Morgan?“
„Ich bin´s“ bestätigte sie, obwohl sie sich dabei dumm vorkam. Sein Atem
schrie nach einer ordentlichen Munddusche, doch das störte sie nicht einmal.
„Ich bin so froh, dass du wieder wach bist…“
Er stöhnte noch einmal und versuchte den Kopf zu heben.
„Es tut weh“ gab er gepresst von sich.
„Der Arzt ist schon auf dem Weg“ sagte sie schnell und strich ihm eine
Strähne aus dem Gesicht.
Bin ich wirklich überrascht darüber,
dass er Schmerzen hat oder nur, dass er es zugibt?
„Du bekommst gleich etwas gegen die Schmerzen“ versprach sie und wie auf
ein Stichwort kam ein Arzt herein, stellte sich knapp vor und fragte Brain, wie er
sich fühle und welche Schmerzen am schlimmsten wären, dann nahm er Blut ab und
gab ihm eine Infusion.
Brains Stimme klang brüchig. Irgendwie tonlos, als wäre sie nur ein
Schatten. Der Arzt wandte sich zu ihr, ohne sich die Mühe zu machen, zu lächeln.
„Sie haben ein paar Minuten, aber dann braucht er wieder etwas Ruhe“ meinte
er, blickte von ihr zu ihm und ließ seinen Blick dann wieder auf ihr ruhen. Sie
nickte langsam.
„Wie geht es dir?“ fragte sie vorsichtig, nachdem der Arzt wieder aus der
Tür war.
Brain sah sie nicht an.
„Das Schmerzmittel wirkt noch nicht. Wie lange war ich weg?“
Morgan beleckte ihre Lippen. Man sah ihr die lange Nacht an. Ihre Haare
waren zerzaust und unter den Augen hatte sie dicke, dunkle Ringe. Ein neuer
Ausdruck hielt ihre Züge versteinert und er konnte ihn nicht deuten. Noch vor
ein paar Monaten hätte er nie geglaubt, dass sie
je so aussehen konnte.
„Zwei Tage. Das Krankenhaus rief mich an, gleich nachdem du eingeliefert
wurdest…“
Jetzt sah er sie an und schien etwas sagen zu wollen, doch dann legte
sich ein Schleier über seine Augen. Die Medikamente begannen langsam zu wirken.
Eine Schwester riss die Tür auf und sah sie mit grimmigem Blick an.
„Die
Zeit ist um…“
Sie zuckte heftig zusammen und hauchte Brain einen Kuss auf die Stirn.
„Ich komme nach der Arbeit wieder…“
Doch er reagierte schon gar nicht mehr darauf. Die Schmerzmittel hatten
seinen Verstand fürs erste verschleiert und sie hoffte, dass sie ihm auch
wirklich alle Schmerzen nehmen konnten. Ihn zurückzulassen brach ihr fast das
Herz.
So! Wurde ja auch Zeit Euch dueses Kapitel vorzustellen!
Morgen kommt dann der nächste Teil und ich werde versuchen, jeden Tag einen Teil zu posten!
Morgen kommt dann der nächste Teil und ich werde versuchen, jeden Tag einen Teil zu posten!
Er ist aufgewacht :D. Und er erkennt Morgan! *erstmal freu*
AntwortenLöschenTypisch diese Krankenschwestern, die einen immer grimmig fortscheuchen... auf die bin ich immer sauer.
:D na mal schauen wie lange die Freude bleibt!
LöschenIch finde es sehr interessant geschrieben.
AntwortenLöschenSehr schön geschrieben finde ich, man kann sich gut in Morgan hineinversetzen und ich denk mal ich werd mir auch noch ein paar mehr Teile durchlesen :)
AntwortenLöschen